An einem Sommerabend, nach einem sonnigen Tag, kann die Luft im Schlafzimmer noch genauso drückend sein wie am frühen Nachmittag. Die Wand hat den ganzen Tag Wärme gespeichert und gibt sie genau dann ab, wenn Sie eigentlich nur schlafen möchten. Hat eine Wand eine kurze Phasenverschiebung, durchdringt die Wärme sie in wenigen Stunden und ist fast sofort im Haus spürbar.

Es gibt eine Zahl, die eine andere Geschichte erzählt: 18 Stunden. So lange braucht die Wärme, um eine 320 mm starke Wand aus dem HES-/HES-mix-System von außen nach innen zu durchqueren. Das ist einer der zentralen Werte des HES-Systems, das H.0.ME. nach Italien bringt (Quelle: technisches Datenblatt HES). Die Materialdetails erklärt der Beitrag Wie HES-mix funktioniert.

Dämmen reicht nicht: auch die Zeit zählt

Beim Thema Wände denkt man zuerst an die Dämmung: wie viel Wärme überhaupt durchdringt. Es gibt aber eine zweite, ebenso wichtige Frage: in welcher Zeit? Bei gleicher Dämmwirkung reagieren unterschiedliche Wandaufbauten unterschiedlich schnell – manche geben die Wärme nach wenigen Stunden weiter, andere erst nach vielen. Die Phasenverschiebung misst genau diese Verzögerung: die Zeit, die die Wärme braucht, um die Wand zu durchqueren. Das Konzept stammt aus der Bauphysik und wird hier vereinfacht erklärt, ohne Anspruch auf normative Vollständigkeit.

Das HES-System setzt an beiden Punkten an. Die angegebene Wärmeleitfähigkeit von HES-mix beträgt λ = 0,048 W/(m·K) (Quelle: technisches Datenblatt HES) – ein niedriger Wert, der den Wärmedurchgang durch das Material verlangsamt. Die Mischung besteht aus Hanfschäben in der richtigen Körnung; ihre Rolle für Dämmung und Wohnkomfort beschreibt ein eigener Beitrag. Für HES-mix nennt das Datenblatt auch die Phasenverschiebung: 18 Stunden bei 320 mm Wandstärke.

Es ist wie der Unterschied zwischen einer dünnen Fensterscheibe und einer dicken Steinmauer: Beide halten einen Teil der Wärme ab, aber nur die Mauer zwingt sie auf einen langen Umweg, bevor sie auf der anderen Seite ankommt. Hier wird aus Wandstärke Zeit.

Warum 18 Stunden den Unterschied machen

Heizt die Sonne tagsüber eine Fassade auf, beginnt die Wärme ihre Wanderung nach innen. Braucht sie dafür 18 Stunden, kommt sie erst spät in der Nacht oder am nächsten Morgen an – dann, wenn Klima und Gebäudekonzept es oft leichter machen, sie über die Lüftung wieder abzuführen. Der Wärmehöhepunkt verschiebt sich so weit weg vom Abend, besonders wenn das Konzept nächtliche Lüftung oder Kühlung vorsieht.

Das ist der Unterschied zwischen einer Wand, die alles sofort durchlässt, und einer, die sich Zeit nimmt. Sie blockiert die Wärme nicht für immer, sondern verzögert sie gerade so lange, dass sie zur falschen Zeit ankommt. Im Winter zählt ein anderer Aspekt: der Wärmeverlust nach außen, der im Gesamtenergiekonzept separat zu betrachten ist.

Was das für Ihr Zuhause bedeutet

Diese Verzögerung kann die Kühllast in den heißesten Stunden senken – zusammen mit gutem Sonnenschutz und natürlicher Lüftung des Hauses. Die Wand allein macht nicht alles, aber sie leistet ihren Beitrag. In einem durchdachten Konzept kann sie zudem helfen, die Innentemperatur auch nach glühend heißen Tagen nachts stabiler zu halten – vieles hängt dabei von Ausrichtung, Fensteröffnungen, Verschattung und Lüftung ab.

Für alle, die planen oder sanieren, wirkt sich dieser Wert auch auf praktische Entscheidungen aus: wie stark man sich auf die Klimaanlage verlassen muss, wo die Schlafzimmer liegen sollten, wie das Haus zur Nachmittagssonne ausgerichtet wird. Das ersetzt keine gute Planung, es erleichtert sie. Eine Wand, die Zeit gewinnt, verschafft allen anderen Entscheidungen mehr Spielraum – von den Rollläden bis zur Raumlüftung.

Wer sich auch für das Thema Feuchtigkeit interessiert, findet dazu den Beitrag Die atmende Wand: Phasenverschiebung und Feuchtemanagement wirken im selben Material zusammen. Alle technischen Daten des Systems stehen auf der Seite Technologie.

Die Kennzahl
18 Stunden: Phasenverschiebung einer 320 mm starken HES-mix-Wand (Zeit, die die Wärme von außen nach innen braucht).
Quelle: technisches Datenblatt HES.

Häufige Fragen

Sind Phasenverschiebung und Dämmung dasselbe?
Nein. Die Dämmung betrifft die Menge der durchdringenden Wärme, die Phasenverschiebung die Zeit dafür. Beides zählt, aber beide beantworten unterschiedliche Fragen.

Reichen 18 Stunden für den ganzen Sommer, oder gilt das nur für einen einzelnen Hitzetag?
Der Wert stammt aus dem technischen Datenblatt von HES. In der Praxis spielen auch Ausrichtung, Verschattung und Lüftung des Hauses eine Rolle.

Gilt das für jede Wandstärke?
Nein. Der Wert von 18 Stunden gilt speziell für 320 mm HES-mix; andere Wandstärken ergeben andere Phasenverschiebungen.

Dies ist die erste Folge der Serie «18 Stunden: eine atmende Bauweise nach Italien bringen» – die Geschichte des Wegs zum ersten H0ME-Haus mit HES-Technologie. Alle technischen Daten des HES-Systems finden Sie auf der Seite Technologie; die nächste Folge widmet sich der Frage, wie das Bauprojekt konkret Form annimmt.


Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und von der H.0.ME.-Redaktion geprüft.