Achtzehn Uhr, irgendwann im August. Du schließt die Tür auf, und drinnen steht die Hitze. Als hätte das Haus den ganzen Tag Sonne eingesammelt und sie für deine Heimkehr aufgehoben.

Die Ursachen können viele sein: Fenster, die zur falschen Seite zeigen, fehlender Sonnenschutz, Geräte, die laufen, die Art zu lüften. Dazu kommt die Hülle. Das HES-System, das H.0.ME. nach Italien bringt, verschiebt bei einer 320 mm starken Wand die Phase um 18 Stunden. Nachzulesen im technischen Datenblatt von HES und in Messungen der Gediminas-Universität Vilnius sowie des BRE der University of Bath.

Wärme bewegt sich hier wie eine Welle.

Die Verzögerung, auf die es ankommt

Tagsüber heizt sich die Außenfläche der Wand auf und kühlt wieder ab. Innen läuft derselbe Zyklus, nur später. Wie viel später, das sagt die Phasenverschiebung: der Abstand zwischen dem Höchstwert außen und dem Höchstwert innen.

Ein Missverständnis räume ich gleich weg. Gemessen wird nicht, wie lange eine bestimmte Wärmemenge braucht, um sich durch die Wand zu arbeiten. Gemessen wird der zeitliche Abstand zwischen dem Moment, in dem es außen am stärksten drückt, und dem Moment, in dem es innen am stärksten ankommt.

Rechnen wir es einmal durch, rein hypothetisch: Der Höchstwert außen fällt auf 14 Uhr. Bei 18 Stunden Verschiebung erreicht er die Innenfläche um 8 Uhr am nächsten Morgen. Dann ist die Luft draußen meist kühler als am Nachmittag davor. Wenn das Wetter mitspielt, lüftest du und wirst einen Teil der gespeicherten Wärme wieder los.

Weg ist der Hitzegipfel damit nicht. Er kommt später. Zu einer Stunde, in der du ihn abfangen kannst.

Der Gipfel kommt auch flacher an

Wann der Höchstwert ankommt, sagt die Phasenverschiebung. Wie viel von seiner Wucht unterwegs verloren geht, sagt die Amplitudendämpfung.

Bleib beim Bild der Welle, die in die Wand läuft: Auf dem Weg nach innen wird sie gedämpft. Der Temperaturausschlag, der im Raum ankommt, fällt schwächer aus als der, der draußen auf den Putz trifft.

Zwei verschiedene Größen also. Die eine misst Zeit, die andere Intensität. Beide beschreiben, wie sich eine Wand dynamisch verhält. Die Norm ISO 13786:2017, in Deutschland übernommen als DIN EN ISO 13786, legt fest, welche dynamisch-thermischen Kenngrößen es gibt und wie man sie berechnet. Bewertet wird dabei immer das ganze Bauteil, also alle Materialien zusammen, aus denen es aufgebaut ist.

Zur Amplitudendämpfung des HES-Systems liegt uns in den Unterlagen kein zertifizierter Wert vor. Wir denken uns keinen aus, und wir rechnen ihn auch nicht aus einer einzelnen Materialkennzahl zurecht.

Im Datenblatt von HES steht außerdem eine Wärmeleitfähigkeit λ von 0,048 W/(m·K). Sie sagt, wie gut das Material Wärme leitet. Die Phasenverschiebung einer Wand legt sie damit noch nicht fest: Dafür zählt auch, wie die Wand aufgebaut ist und wie dick sie ausfällt.

Wie das Material arbeitet, erklären wir im Artikel zur HES-Mischung. Wie grob die Hanfschäben gemahlen sind und wie sie sich verteilen, prägt ebenfalls das Gefüge des Verbundwerkstoffs; mehr dazu auf der Seite zur Körnung der Hanfschäben.

Was das zu Hause ändert

Eine Wand, die sommers gut arbeitet, kann verhindern, dass die Außenhitze ausgerechnet dann durchschlägt, wenn das Haus ohnehin schon belastet ist. Kühl bleibt es davon allein noch nicht.

Sobald die Sonne durch die Scheiben fällt, sitzt ein Teil der Wärme längst im Raum. Deshalb gehört der Sonnenschutz nach außen: Rollläden, Markisen, Lamellen. Auch beim Lüften entscheidet die Uhrzeit. Öffnest du, wenn es draußen kühler ist, führst du Wärme ab; lässt du am hellen Mittag warme Luft herein, heizt du nach. Sonnenschutz und natürliche Lüftung gehören zum passiven Kühlen, das auch die italienische Energieagentur ENEA empfiehlt.

Am Ende entscheidet das Ganze: wo die Öffnungen sitzen, was das Dach macht, wie das Haus steht, welche Technik drin arbeitet, wie die Bewohner damit umgehen. Wie heiß sich ein Raum anfühlt, hängt außerdem an der Luftfeuchte, und das ist ein anderes Thema als die Phasenverschiebung. Dazu mehr im Artikel über die atmungsaktive Wand und den Wohnkomfort.

H.0.ME. ist ein Unternehmen und General Contractor und hält für Italien die Lizenz an der seit 2019 patentierten Technologie. Gebaut hat das Unternehmen mit HES bisher kein Haus: Die erste Baustelle wird vorbereitet. Dort zeigt sich dann, wie Wände, Öffnungen und Alltag wirklich zusammenspielen.

📌 > Die Kennzahl: 18 Stunden Phasenverschiebung bei einer 320 mm starken Wand. Quelle: technisches Datenblatt von HES; Messungen der Gediminas-Universität Vilnius und des BRE der University of Bath.

Häufige Fragen

Wirkt die Phasenverschiebung auch im Winter?
Nicht auf dieselbe Weise. Hier geht es um den Schutz vor sommerlicher Hitze. Im Winter zählt vor allem der Wärmedurchlasswiderstand der Wand, also wie stark sie die Verluste bremst.

Reicht die Phasenverschiebung allein für ein kühles Zuhause?
Nein. Du musst zusätzlich die direkte Sonne abhalten und dann lüften, wenn es draußen kühler ist.

Verändert die Wandstärke die Verzögerung?
Ja. Die 18 Stunden aus dem HES-Datenblatt gelten für 320 mm. Wird die Wand dicker, dünner oder anders geschichtet, verhält sich das Bauteil anders.

Mehr zum System auf der Seite Technologie. In dieser Reihe: vorherige Folge, EP4 «27.653 Quadratmeter vor uns». Nächste Folge: die Atmungsaktivität der Wand. --- Note bene: nella versione tedesca ho localizzato il riferimento normativo per un lettore DACH — accanto a ISO 13786:2017 (stesso standard internazionale citato in italiano) ho aggiunto la sua recezione tedesca DIN EN ISO 13786 al posto della UNI EN ISO 13786 italiana, così come ho esplicitato che l'ENEA è l'agenzia energetica italiana (poco nota in Germania). Numeri, fonti (Università Gediminas di Vilnius, BRE University of Bath) e l'attribuzione HES-rete ≠ H0ME-licenziataria restano invariati.


Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und von der H.0.ME.-Redaktion geprüft.