Auch ein gut gedämmtes Haus heizt sich an einem heißen Tag auf. Das weiß jeder, der im August eine Baustelle abnimmt. Das HES-System, das H0ME nach Italien bringt, kommt in der 320-mm-Ausführung laut technischem Datenblatt auf eine Phasenverschiebung von 18 Stunden. Die Hitzespitze draußen erreicht den Innenraum also mit diesem zeitlichen Abstand. Das heißt nicht, dass eine bestimmte Wärmemenge 18 Stunden lang durch die Wand wandert.

Dämmen ist das eine, Bremsen das andere

Die Wärmeleitfähigkeit λ sagt, wie gut ein Material unter definierten Bedingungen Wärme leitet. Bei gleicher Stärke setzt ein Material mit niedrigerem λ dem Wärmedurchgang mehr entgegen. Für die HES-Mischung nennt das Datenblatt λ = 0,048 W/(m·K).

Der Wert zählt. Vor allem für die Dämmleistung. Für sich genommen sagt er aber nichts darüber, wie sich eine Wand an einem Sommertag verhält. Draußen ändert sich die Temperatur von Stunde zu Stunde, und die Sonne wandert über Fassade und Dach.

Man muss deshalb das ganze Bauteil ansehen: wie stark es die Wärmewelle dämpft und wie spät sie innen ankommt. Diese Verzögerung heißt Phasenverschiebung. Wie stark die Temperaturschwankung auf dem Weg durch die Wand abflacht, beschreibt die Amplitudendämpfung.

Wie man das dynamische thermische Verhalten von Bauteilen berechnet, regelt die Norm UNI EN ISO 13786, europäisch harmonisiert und von der italienischen Normungsstelle UNI veröffentlicht. Was am Ende herauskommt, hängt davon ab, wie die Materialien kombiniert sind. Aus zwei λ-Werten oder zwei Dämmstoffnamen lässt sich die Phasenverschiebung nicht ableiten.

Kalk-Hanf und EPS: was sich vergleichen lässt

EPS ist leicht und dämmt gut. Gegenüber dem HES-System aus Kalk und Hanf speichert es bei gleichem Volumen in der Regel weniger Wärme, weil ihm die Masse fehlt.

Dämmen heißt, den Wärmedurchgang zu erschweren. Speichern heißt, Wärme aufzunehmen und später wieder abzugeben. Zwei verschiedene Aufgaben. Im Sommer braucht man beide.

Daraus folgt nicht, dass eine Kalk-Hanf-Wand jede EPS-Dämmung schlägt. Die Phasenverschiebung hängt am kompletten Wandaufbau, nicht am Namen des Materials: Schichtstärken, Dichte, spezifische Wärmekapazität, Oberflächen, Reihenfolge der Schichten.

Wer seriös Zahlen vergleichen will, braucht zwei bis ins Detail definierte Wandaufbauten, gerechnet nach derselben Methode. Vorher einen Sieger auszurufen, wäre unredlich.

Für das HES-System liegt uns ein präziser, klar umrissener Wert vor: 18 Stunden Phasenverschiebung in der 320-mm-Ausführung, laut HES-Datenblatt. Er gilt für diese eine Konfiguration. Nicht als Regel für jede Kalk-Hanf-Wand, und erst recht nicht als Vergleichswert gegenüber EPS.

Wie das System aufgebaut ist, steht im Beitrag zur HES-Mischung. Auch die Korngröße des Hanfschäbens verändert die Materialeigenschaften. Das Verhalten der ganzen Wand lässt sich daraus allein nicht vorhersagen.

Was das für Ihr Zuhause bedeutet

Eine hohe Phasenverschiebung schiebt den Moment nach hinten, in dem die Hitzespitze im Haus ankommt. Für die Planung ist das viel wert: Man gewinnt Spielraum, um die Wand mit den übrigen Entscheidungen für den Sommer abzustimmen.

Eine Kühlgarantie steckt darin nicht. Ausrichtung, Fensterflächen, Sonnenschutz, Wärmebrücken und die Dämpfung der Temperaturwelle wiegen genauso schwer. Kühlt die Luft draußen ab, führt eine gut gesteuerte Lüftung die gespeicherte Wärme wieder ab. Außenliegender Sonnenschutz hält die Sonne auf, bevor sie das Glas erreicht.

Die Phasenverschiebung ist ein Baustein im sommerlichen Wärmeschutz. Allein löst sie das Thema nicht. Über die Feuchtigkeit haben wir schon gesprochen, in Die atmende Wand: Komfort und Feuchtigkeit.

📌 18 Stunden Phasenverschiebung in der HES-Konfiguration mit 320 mm; λ = 0,048 W/(m·K). Quelle: technisches Datenblatt des HES-Systems. Berechnungsmethode für die dynamischen thermischen Kennwerte: Norm UNI EN ISO 13786.

Häufige Fragen

Was ist die thermische Phasenverschiebung?
Sie beschreibt, wie viel später sich der Temperaturverlauf von der Außenseite auf der Innenseite eines Bauteils wiederholt. Sie sagt nicht, wie lange eine einzelne Wärmemenge braucht, um das Bauteil zu durchqueren.

Warum speichert EPS weniger Wärme als das HES-System?
Weil es sehr leicht ist und kaum Masse bietet, in der sich Wärme einlagern kann. Wie es am Ende ausgeht, hängt immer vom kompletten Wandaufbau ab.

Reichen 18 Stunden aus, um im Sommer kühl zu bleiben?
Nein. Dazu gehören Sonnenschutz und eine durchdachte Lüftung, abgestimmt auf Standort und Klima. Die 18 Stunden beschreiben die genannte HES-Konfiguration, nicht den Wohnkomfort des ganzen Gebäudes.

Wie die Wand im Detail funktioniert, zeigen wir auf der Seite Technologie. Vorherige Folge: „Wie man das richtige Grundstück wählt". Nächste Folge: „Auf dem Weg zur ersten Baustelle: die Vorbereitungsphase".


Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und von der H.0.ME.-Redaktion geprüft.